Aufklappen
27. Januar 2024

MLP Academics: Ein Momentum genügt den NINERS Chemnitz

Zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten sahen die 3.784 Zuschauer zum Start der Rückrunde am Samstagabend im SNP dome. Während die MLP Academics beim 77:99 (20:21, 19:28, 7:29, 31:21) gegen die NINERS Chemnitz rund 17 Minuten lang in den ersten beiden Vierteln mithielten, brachen vor allem unmittelbar nach der Pause alle Dämme. Im dritten Teilabschnitt gelang bedauerlicherweise nur noch ganz wenig. Dadurch hatte der Spitzenreiter der easyCredit Basketball Bundesliga leichtes Spiel und entschied diese Phase mit 29:7 (!) für sich. Es herrschte allgemeine Verunsicherung. Im letzten Viertel gelang den Jungs vom Neckar immerhin eine Ergebniskorrektur. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für die nächsten BBL-Partien.

Wie ist die mentale Blockade zu lösen?

Ohne den verletzten Mannschaftskapitän Akeem Vargas (Fußverletzung) konnte Headcoach Ingo Freyer diesmal mit einer Achter-Rotation arbeiten. Dies machte sich zunächst nicht bemerkbar, doch mit zunehmender Spieldauer schienen Kräfte, Konzentration und Zusammenspiel unserer MLP Academics nachzulassen. Der Klassenunterschied zwischen dem Tabellenführer und dem Vorletzten wurde immer deutlicher. Es sind schwere Zeiten für die Universitätsstädter – und die Kernfrage wird weiterhin sein, wie man die Blockade in den Köpfen der Protagonisten möglichst bald zu lösen vermag. Noch vor knapp zwei Wochen war zu Freyers Debüt beim 84:83 bei den Basketball Löwen Braunschweig ein wahrer „Parforceritt“ mit einem „Minikader“ gelungen. Den Sachsen genügte es, in kurzen Phasen den Turbo einzuschalten. Ergo: Im Eilverfahren bauten die Chemnitzer den Vorsprung aus – mit dem Selbstverständnis und Selbstbewusstsein eines erfolgsgestählten Topteams, das den 15. BBL-Saisonsieg in Heidelberg unter Dach und Fach brachte.

17 Minuten lang auf Augenhöhe

Die Partie startete aus Sicht der Hausherren erwartungsvoll. Die gute Stimmung auf den Tribünenflanken sollte die MLP Academics bei der Weltpremiere eines animierbaren Augmented-Reality-Trikots puschen. Im vermeintlichen David-Goliath-Duell wehrten sich die Einheimischen trotz eines frühen Rückstandes (2:11, 4.). Ja, man stemmte sich verheißungsvoll dagegen, schaffte prompt den Anschluss und ging sogar durch zwei verwandelte Freiwürfe von Bennet Hundt mit 17:16 (9.) in Führung. Die Kontrahenten begegneten sich weitgehend auf Augenhöhe – genauer gesagt bis zum 36:38 (17.). Urplötzlich riss jedoch der Faden bei den Freyer-Schützlingen, die sich Missverständnisse und Fehlpässe leisteten und zu allem Überfluss mit der Halbzeitpause einen eingeflogenen Dreier mit Brett von DeAndre Lansdowne zum 39:49 kassierten. Dieser Korb entwickelte die fatale Wirkung eines „neck-breakers“, zumal es nach dem Gang in die Kabine ähnlich tragisch weiterging. Ein Zweier von Kevin Yebo und ein Dreier von Wesley van Beck zum 39:54, zusammengerechnet acht Punkte binnen 50 Sekunden, lenkten das Match in eine entscheidende Richtung.

Ingo Freyer: „Dann ist das Momentum gekippt“

„Das dritte Viertel ging eigentlich schon paar Sekunden vor Ende des zweiten Viertels los. Da hat Chemnitz noch eine Auszeit genommen und leider sind bei uns – ob man das jetzt Konzentration nennen kann oder nicht – eklatante Fehler gemacht worden. Hinzu kam ein glücklicher Dreier, aber auch den kannst du wegnehmen. Dann ist das Momentum gekippt“, sagte Headcoach Ingo Freyer.

In der Tat: Neun weitere Zähler ohne Gegenkorb ließen die NINERS auf 39:63 (23.) unaufhaltsam davonziehen. Aus Sicht der MLP Academics war’s ein krasser 0:17-Lauf in der zweiten Hälfte. Das steckten sie zunächst nicht mehr weg. Wie paralysiert wirkten vielmehr jegliche Bemühungen, so gut wie nichts mehr wollte ihnen gelingen. Über die Zwischenstände von 46:78 (3. Viertel) und 46:83 (31.) drohte Heidelberg sogar ein Debakel. In den letzten neun Minuten bäumte sich die Mannschaft auf, bekam es hin, die deutliche 77:99-Heimniederlage noch freundlicher zu gestalten. Ein positives Zeichen für die nächsten drei Spiele bei RASTA Vechta (4. Februar), zu Hause gegen Braunschweig (9. Februar, Freitag, 18.30 Uhr) sowie am Faschingsdienstag (13. Februar) bei den Bamberg Baskets. Danach wartet eine knapp dreiwöchige Länderspielpause auf die BBL-Teams, die den Kellerkindern im Tableau gewiss nicht ungelegen kommt.

Die Unterschiede zwischen Heidelberg und Chemnitz hielten sich auf dem Statistikbogen relativ in Grenzen. Drei Zweier, vier Dreier und vier Freiwürfe verwandelten die NINERS mehr. Und Big Man Kevin Yebo (33 Punkte) war zu keinem Zeitpunkt in Schach zu halten. Eklatantester Unterschied war die Trefferquote von der 6,75-Meter-Linie – 7/21 (33 Prozent) gegenüber 11/27 (41 Prozent). Das Reboundverhältnis (38/44) und die Turnover (14/12) waren nahezu auf einem Level. Signifikant stachen die Assists hervor: Die Academics mit deren 14 (6 von Bennet Hundt) und die NINERS mit insgesamt 24 (darunter 8 von Kaza Kajami-Keane) dokumentierten, dass die Gäste zu wesentlich mehr einfachen Punkten kamen und als Kollektiv in der Offensive besser harmonierten, teilweise mit einfachem, äußerst effizientem Give-and-Go.

Marcel Keßen und Niklas Würzner die Auffälligsten

Beste Spieler im „Kunstwerk“-Trikot waren diesmal Center Marcel Keßen (18 Punkte, 9 Rebounds) und der unermüdlich rackernde Lokalmatador Niklas Würzner (9, 5 Rebounds). Würzner traf 75 Prozent seiner Würfe aus dem Feld und hundert Prozent Freiwürfe (3/3). Isaiah Whaley und Jeffrey Carroll steigerten sich im Schlussabschnitt.

Das sind in einer personell dünnen Achterrotation gute Nachrichten. Mit „voller Kapelle“ sieht es bald hoffentlich wieder besser aus.

Stimmen zum Spiel:

„Wir schaffen es, 20 Minuten lang unsere Idee umzusetzen, blieben aber nicht konstant. Wir wissen, woran das liegt und müssen jetzt daran arbeiten, diese Dinge, abzustellen. Mit nur 8 Leuten ist es aktuell schwierig. Wir wollen aber keine Ausreden suchen, sondern positiv bleiben und nach vorne schauen. Natürlich können wir, die Verantwortlichkeiten fürs Team, aus dem vierten Viertel sehr viel Positives mitnehmen. Wir hatten jetzt drei Spiele, wir wissen, was sich auch in den anderen Spielen angedeutet hat, auch in dem Spiel, welches wir gewonnen haben. In bestimmten Konstellationen sind wir nicht schlecht! Wenn wir jetzt noch den ein oder anderen Spieler zurückbekommen, haben wir wieder mehr Tiefe. Aktuell ist die Situation total schade, aber da können wir nichts dafür. Hier werden wir auch wieder herauskommen. Wenn wir dann wieder mit 10, 11, 12 Leuten trainieren können, dann wird das auch wieder besser werden.“ – Ingo Freyer, Headcoach der MLP Academics Heidelberg.

„Wir sind natürlich zufrieden mit diesem Sieg und mit einigen Momenten in diesem Spiel, vor allem das dritte Viertel war ein sehr starkes Viertel für uns. Defensiv waren wir ein wenig inkonstant, alles in allem und unter Beachtung dessen, dass wir in dieser Woche viel reisen mussten, bin ich zufrieden. Heidelberg ist ein gefährliches Team, welches durch eine schwierige Situation geht, mit vielen Verletzungen. Ich denke, mein Team hat insgesamt ein solides Spiel gespielt. Manche Spieler sind noch nicht nah genug an der besten Version ihrer selbst. Wir müssen weiterhin an uns arbeiten, wir haben eine lange Woche vor uns und müssen uns auf das nächste Spiel gegen Rostock vorbereiten. Das wird eine weitere Herausforderung für uns.“ – Rodrigo Pastore, Headcoach der NINERS Chemnitz.

„Am Ende ist es natürlich wieder enttäuschend. Wir haben eine gute erste Halbzeit gespielt, hätten aber am Ende der ersten Halbzeit noch besser dranbleiben können. So gehen wir dann mit minus 10 in die Halbzeit und erlauben zu viele einfache Körbe. Die Chemnitzer haben in der ersten Halbzeit vierzehn einfache Fastbreak-Layups gemacht. Das hätten wir verhindern müssen, dann hätten wir vielleicht mit einer Führung in die Halbzeit gehen können. In der zweiten Halbzeit sind wir ohne Intensität und ohne Enerige herausgekommen. Ein Team wie Chemnitz spürt das dann und nutzt das auch. Sie haben gemerkt, wenn sie im dritten Viertel anziehen, können sie den Sieg nach Hause holen. Das haben sie gemacht, wir waren nicht ready. Es ist sehr enttäuschend, wie das am Ende aussah. Trotzdem, oder gerade deshalb, bedanke ich mich nochmal bei den Fans, die uns bis zum Ende unterstützt haben.“ – Bennet Hundt, Point Guard der MLP Academics.

„Ich denke, in der ersten Halbzeit haben wir einen guten Kampf geliefert. Mit ein, zwei Fehlern weniger hätten wir mit einem Unentschieden in die Kabine gehen können. In der zweiten Halbzeit hat Chemnitz gezeigt, wieso sie auf dem ersten Platz stehen. Dann sind uns ein bisschen die Kräfte ausgegangen und es gab ein paar Unstimmigkeiten auf dem Feld. Am Ende gewinnt Chemnitz verdient mit 20 Punkten.“ – Niklas Würzner, Point Guard der MLP Academics.

Für die MLP Academics Heidelberg spielten: Marcel Keßen 18 (1 Dreier), Joshia Gray 17 (2), Jeffrey Carroll 12 (2), Isaiah Whaley 10 (2), Niklas Würzner 9, Abu Kigab 5, Bennet Hundt 4, Elias Lasisi 2, Samuel Schally (DNP), Evan Rietsch (DNP).

NINERS Chemnitz: Kevin Yebo 33, Kaza Kajami-Keane 11 (3), Tylor Ongwae 11 (1), Wesley van Beck 8 (2), DeAndre Lansdowne 8 (1), Jeffery Garrett 8 (2), Jonas Richter 8, Dominic Lockhart 6 (1), Brendan Gregori 3 (1), Aher Uguak 2, Benjamin Koppke 1.

Joachim „Jogi“ Klaehn
MLP Academics Heidelberg
Kommunikation und Medien

Zuschauer:innen: 3784
MLP Academics Heidelberg – Basketball mit Zukunft