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15. Dezember 2023

MLP Academics: Mit Mutmacher „Josh“ Gray zum bockstarken Primus NINERS Chemnitz

Wir erinnern uns: Das letzte Aufeinandertreffen der NINERS Chemnitz und der MLP Academics Heidelberg war vom Do-or-Die-Charakter geprägt. Es ging am 7. Mai um den letzten Playoff-Platz und den sicherten sich die NINERS mit einem 81:74-Auswärtssieg im SNP dome zum Abschluss der regulären Saison 2022/2023. Vor dem Duell am Samstagabend (20 Uhr/live ab 19.45 Uhr bei Dyn) in Sachsen sind die Vorzeichen in der neuen Spielzeit der easyCredit Basketball Bundesliga gänzlich andere. Während Chemnitz alleiniger Spitzenreiter ist und bis dato eine herausragende Zwischenbilanz vorzuweisen vermag, sind unsere Heidelberger Jungs am 10. Spieltag auf Rang 17 im Tableau abgerutscht. Die NINERS haben also die klare Favoritenrolle inne. „Wir müssen ihnen den Spaß am Spiel nehmen. Das ist der einzige Weg, sie zu schlagen“, sagt Academics-Headcoach Joonas Iisalo vor der hohen Auswärtshürde in der rund 4.700 Zuschauer fassenden Messe Chemnitz.

Im BBL-Pokal-Viertelfinale am 9. Dezember schieden die Pastore-Schützlinge mit 78:87 gegen den amtierenden Meister ratiopharm Ulm aus. Dies beendete nicht nur ihre Pokalträume, sondern auch ihre „Wahnsinnsserie“ von wettbewerbsübergreifenden 17 Erfolgen hintereinander. Die MLP Academics hingegen hatten Spielpause und nutzten diese zu intensiven Trainingseinheiten, in denen der amerikanische Neuzugang Joshia „Josh“ Gray mit dem Team, den Spielsystemen und der Philosophie des Trainerstabs akribisch vertraut gemacht wurde. Der 30-jährige Point Guard aus Louisiana mit seiner letzten Station bei Real Betis Baloncesto Sevilla wird sich schnell an die für ihn bis dato unbekannte Liga und den Abstiegskampf der Jungs vom Neckar gewöhnen müssen.

Iisalo über Gray: „Genau der Typ von Guard, den wir gesucht haben“

Welche ersten Impressionen hat der Cheftrainer vom Playmaker gesammelt? „Josh ist genau der Typ von Guard, den wir gesucht haben. Er ist schnell, er ist geschickt und er bringt Führungsqualitäten auf den Platz“, sagt Joonas Iisalo über die Nachverpflichtung von Gray, der die bis dahin wacklige Architektur der Mannschaft stabilisieren soll. Seit Samstag trainiert der erfahrene Profi mit, der Integrationsprozess ist bereits in vollem Gange. „Es ist nicht einfach, mitten in der Saison zu einem Team zu kommen. Vor allem als Point Guard. Man muss alle kennenlernen und Erfahrungen mit dem Team sammeln“, so Iisalos realistische Momentaufnahme, „das braucht natürlich Zeit. Wir versuchen, ihn nach und nach in unsere Spielkultur und unsere Standards zu integrieren.“

Gray über Gray selbstbewusst: „Ich bin der geborene Leader“

Mit Spannung wird der BBL-Premiere von „Josh“ Gray entgegengeblickt. Dabei wirkt er selbst relativ gelassen. Die achtmonatige Basketball-Wettkampfpause seit seinem Abstecher nach Spanien hat der Amerikaner dazu genutzt, um im Süden der USA gemeinsam mit seiner Verlobten eine Speditionsfirma zu gründen. Ansonsten trainierte der einstige Absolvent der Louisiana State University regelmäßig an der LSU. Für die Tigers agierte er zwischen 2014 und 2016, zu einigen Trainern und Mitspielern ist der Kontakt nie abgebrochen. Er sei bereit, die BBL gemeinsam mit den MLP Academics zu erobern, befinde sich physisch und mental in einer Topverfassung. „Ich mag es das Tempo zu bestimmen“, sagt er im aktuellen RNZ-Podcast „Akademisches Viertel“, „ich bin der geborene Leader und möchte viel positive Energie aufs Feld bringen.“ Den Umstand, dass er die deutsche Liga noch nicht aus eigener Anschauung kennt, hält Gray nicht für entscheidend. „Es ist das gleiche Spiel, der gleiche Ball, der gleiche Ring. Wir sollten nicht zu viel Druck aufbauen, sondern das Spiel genießen“, so seine durchweg selbstbewusste Haltung.

Bei den MLP Academics ist der Glaube ans eigene Leistungsvermögen zurückgekehrt, obgleich in der restlichen Adventszeit am Samstag in Chemnitz und die Woche darauf am 22. Dezember bei ratiopharm Ulm die Körbe buchstäblich hoch hängen, wenn man hintereinander zu den beiden Topteams muss. „Für uns geht es in den kommenden beiden Spielen darum, uns leistungstechnisch zu stabilisieren. In zwei der letzten drei Spiele konnten wir einen klaren Aufwärtstrend vorweisen. Diesen wollen wir jetzt bestätigen und alles dafür tun, unseren dritten Auswärtssieg zu holen. Das wird selbstredend sehr schwer“, skizziert der Sportliche Leiter Alex Vogel vor der Abreise am Freitag nach Sachsen die Ausgangslage, „Chemnitz spielt eine sensationelle Saison. Defensiv sind sie die mit Abstand beste Mannschaft der gesamten Liga. Sie sind lang, athletisch und haben klare Abläufe. Offensiv wollen sie den Ball laufen lassen. Sie generieren viele paint touches und haben mit Kevin Yebo einen sehr starken Abschlussspieler im Pick-and-Roll. Dazu haben die NINERS auf den Guard-Positionen Spieler, die eine Partie an sich reißen können.“

Das insgesamt 41. Duell seit gemeinsamen Zweitliga-Zeiten

Respekt ja, Angst nein? Heidelberg und Chemnitz sind gute alte Bekannte. In der ProA und seit 2021 in der BBL wurden immer wieder empathisch die Klingen gekreuzt. Es ist der insgesamt 41. Vergleich der beiden Klubs. Und was unseren Korbjägern noch fehlt, ist ein Erfolg auf Erstliga-Level: Mit 81:74, 87:78, 81:66 und 67:64 entschieden die NINERS bis dato alle vier Partien für sich. „Chemnitz ist ein wunderbares Team, das ein bisschen wie Bonn in der letzten Saison aussieht. Sie verfügen über Athletik, Skills, Länge und eine gute Chemie. Und man kann sehen, welche Führungsqualitäten ihnen DeAndre Lansdowne verleiht“, meint Joonas Iisalo über den Kontrahenten, der mit seinem kompakten Kader und einer eher kleineren Rotation national wie international voll überzeugt hat. Wie im Pokal gelang bisher lediglich den Ulmern das Kunststück, Chemnitz am ersten BBL-Spieltag mit 90:85 zu bezwingen. Neun Siege in der Beletage hierzulande und weitere acht im Europe Cup, der letzte davon am Mittwochabend beim rumänischen Vertreter CSM Oradea (95:79), taugen als eindrucksvolles Referenzschreiben. An der rumänisch-ungarischen Grenze wirkte der Kanadier Kaza Kajami-Keane wieder mit, während NINERS-Kapitän Jonas Richter (noch) pausierte. Es ist davon auszugehen, dass beide Cracks gegen die Kurpfälzer auf dem blitzblanken Messe-Parkettboden stehen werden.

Chemnitz hatte sich vor Saisonbeginn sehr gezielt verstärkt. Headcoach Rodrigo Pastore und die Vereinsentscheider setzten auf die Komponenten Ausgewogenheit und Erfahrung auf hohem Niveau. Insbesondere die Neuzugänge Kazami-Keane (Le Mans Sarthe Basket), Wesley van Beck (BC Kalev/Estland), Jeffery Garrett (Cbet Jonava/Litauen) und der 34-jährige Scorer Lansdowne (SIG Straßburg) haben eingeschlagen. Garrett ist mit durchschnittlich 9,0 Rebounds momentan der Ligabeste, dicht gefolgt von Academics-Center Isaiah Whaley (8,9). Das genannte Quartett der Chemnitzer punktet ausnahmslos zweistellig, komplettiert durch die Deutschen Kevin Yebo und Jonas Richter sowie den Kanadier Aher Uguak, der in Ägypten geboren wurde.

Anfang November wurden die Chemnitzer nochmals auf dem Transfermarkt aktiv und verpflichteten zudem den gambisch-amerikanischen Center Ousman Krubally (35 Jahre, 2,01 Meter) als Back-up-Option. Dieser wechselte von Bnei Herzliya Basket (Premier League in Israel) in die sächsische Industriestadt.

Konsolidierung vor dem „X-Mas Game“ am 27. Dezember?

Ob die Erfolgsserie der heimstarken NINERS ausgerechnet gegen den „Underdog“ aus Heidelberg reißt? Fest steht, dass die MLP Academics ohne jeglichen Erwartungsdruck in der Messe Chemnitz antreten können. Laut Joonas Iisalo hat die Mannschaft eine dank Krankheiten und kleinerer Blessuren komplizierte letzte Woche überstanden. Fraglich ist der Einsatz von Paul Zipser. Ansonsten sind alle angeschlagenen Profis wieder fit und gesund. Wie die Rädchen beim Debüt von Hoffnungsträger „Josh“ Gray auf Anhieb ineinandergreifen, lässt sich ohnehin nicht prognostizieren.

Es zählt allein ein Konsolidierungseffekt, der in der Heimpartie zum Auftakt der Adventszeit gegen die MHP RIESEN Ludwigsburg (72:75) deutlich zu spüren war. Insofern sind die Härteproben gegen Chemnitz und Ulm anspruchsvolle Wettkampfpraxis für das enorm wichtige Heimspiel und „X-Mas Game“ am 27. Dezember (Mittwoch, 18.30 Uhr) gegen die BG Göttingen im SNP dome.

Das „schönste Weihnachtsgeschenk“ für die MLP Academics liegt unmittelbar nach den Festtagen sowieso auf der Hand …

Joachim „Jogi“ Klaehn
MLP Academics Heidelberg
Kommunikation und Medien